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Die Entwicklung Rengsdorfs als Kurort

Oder

Wie aus Rengsdorf das „Nizza des Westerwaldes“ wurde

(Die unterstrichenen Worte sind anklickbar, hinter ihnen verbirgt sich je ein historisches Foto)

Um aus einem einfachen Dorf einen Kurort zu machen bedarf es vieler Voraussetzungen.  Die landschaftlichen Schönheiten der Umgebung Rengsdorfs schufen die Voraussetzung, dann bedurfte es aber auch einiger entschlossener Persönlichkeiten, die die Idee in die Tat umsetzten.

So wurde am 26.5.1889 der Verkehrs- und Verschönerungsverein für den unteren Westerwald gegründet.
In den Dezembertagen des Jahres 1890 saßen Bürgermeister Heymann, Professor Schütz, Oberförster Andrée und Lehrer Becker bei Kutschers in Hinterstübl und fassten den ernsthaften Entschluss, aus Rengsdorf einen heilklimatischen Luftkurort zu machen. Am 18.2.1896 wurde Philipp Wink Bürgermeister, dessen beispielloser Tatkraft es nach der Darstellung von Professor Schütz gelang, das „goldene Zeitalter“ des Kurorts einzuleiten.

Mit 20 Kurgästen begann es 1890, im letzten Berichtsjahr vor dem 1. Weltkrieg waren in Rengsdorf 8578 Gäste! An diesen beiden Zahlen ist eine fast unendliche Liste an Einzelarbeiten abzulesen: Fußpfade, Waldwege, Kuranstalten, Aussichtspunkte, Ruhebänke mussten geschaffen werden, vor allem aber Häuser und Räume, um die Gäste würdig unterzubringen!

Am 23.1.1897 wurde das Badehaus in Betrieb genommen.
Die Ortschronik vermeldet an einer Stelle, dass von 1898 bis 1910 im Kurinterresse 82 Neubauten entstanden sind.

1900 wurde „Im Hahn“ ein Tennisplatz angelegt. Die Zahl der Dauergäste betrug 900. Im Eiskeller waren 1.850 Zentner Eis eingelagert und im Badehaus wurden 1.900 Reinigungsbäder genommen.

1902 beschaffte die Gemeinde einen Sprengwagen, um in den Sommermonaten durch die Benetzung der Dorfstraßen die Staubentwicklung einzudämmen.
Auf Vorschlag des Verkehrs- und Verschönerungsvereins wurde am 30. 6.1902 der Grundstein für den 13 m hohen Bismarckturm gelegt. Die Einweihung erfolgte am 21.6.1903.

1904 wurde im Distrikt „Hahn“ ein Kinderspielplatz angelegt, ferner errichtete die Gemeinde auf dem Platz vor der Kreissparkasse einen Zierbrunnen. Rengsdorf hatte zu dieser Zeit ca. 900 Einwohner; Zahl der Gäste: 2461.

Für das Jahr 1907 meldet der Chronist das Ansteigen der Kurgastzahl von 3632 im Vorjahr auf 4383; er bemerkt ausdrücklich, dass die Höchstzahl der Tagesgäste in diesem Jahr 852 gewesen sei, nahezu gleich der Einwohnerzahl Rengsdorfs.
Ebenfalls 1907 wurde bei Ausschachtungsarbeiten „Auf der Löw“ ein fränkisches Gräberfeld entdeckt. Die Funde, Grabbeigaben (ca. 700 nach Christus), befinden sich im Kreismuseum in Neuwied.

1910 wurde „Im Schlag“ eine Rodelbahn angelegt. Außer dieser Wintersportanlage waren an Einrichtungen und Anlagen für Gäste und Einheimische vorhanden: ein Tennisplatz, ein Badehaus, ein Spielfeld, Spazierpfade, ein weiträumiges Wanderwegenetz mit Bänken und Schutzhütten, ein Kinderspielplatz, ein Kindergarten und im Gebäude der Bürgermeisterei ein Lese-, Schreib- und Aufenthaltsraum für Gäste.

Im Jahre 1912 legt der Berichterstatter Wert darauf, zu bemerken, dass der Andrang der Kurgäste so groß war, dass viele auf Sofas oder zu zweit in einem Bett untergebracht werden mussten.
Mit Gewissenhaftigkeit hat man auch vermerkt, woher die Erholungssuchenden kamen: Köln lag lange in Führung, bis schon kurz nach 1900 außer Köln noch 98 andere deutsche Städte genannt werden und mit ganz besonderem Stolz Amerika, England, Frankreich, Spanien, Türkei und Österreich.
In diesem Jahr wurde auch die Versorgung mit elektrischer Energie in die Wege geleitet, außerdem erfolgte der Bau der „Villa Henkel“.

Ab 15. 7.1913 waren fast alle Häuser an das Stromnetz angeschlossen, im gleichen Jahr erhielt Rengsdorf auch eine elektrische Straßenbeleuchtung.
Den Gästen standen in rd. 600 Zimmern ca. 1100 Betten zur Verfügung. Die Zahl der Dauergäste betrug 8578.

Durch den Beginn des 1. Weltkrieges sank die Gästezahl in 1914 auf 5782.

Nach dem 1. Weltkrieg trat – übrigens auch nach dem 2. - begreiflicherweise eine Stockung der Kurentwicklung ein.  1919 war sie zurückzuführen auf die Besatzung durch Amerikaner und Franzosen sowie durch Lebensmittelknappheit. Ein Teil der Hotels und Pensionen wurde als Lazarette eingerichtet oder bis 1919 von Truppen belegt.
Erst nach Abzug der französischen Truppen belebte sich das Geschehen in Rengsdorf wieder. 1920 konnten 4909 Dauergäste registriert werden.

1926 hatte Rengsdorf 1299 Einwohner und auch wieder 7921 Dauergäste.

1927 wurde der Bau des „Licht -Luft-  und Schwimmbades“ begonnen. Kommerzienrat Henkel stellte einen beachtlichen Betrag zur Verfügung und bot außerdem ein günstiges Darlehen an. Schon am 2.6.1927 konnte die Badeanlage der Öffentlichkeit übergeben werden.

1928 wurde mit 10.603 Gästen die Zahl 10.000 erstmals überschritten.


Auszug aus dem Verwaltungsbericht der Gemeinde Rengsdorf für das Jahr 1931
„Eine von den Sommergästen lebhaft begrüßte Neueinrichtung trafen die hiesigen Autobesitzer Jung und Rüdig durch Einstellung je eines Gesellschaftsautos, das einige 20 Personen fasst. Damit wurden täglich Rundfahrten ins Wied-, Ahr- und Lahntal unternommen, die es den Gästen ermöglichten, auch die landschaftlichen Schönheiten der näheren und weiteren Umgebung kennenzulernen.“

Bis 1934 warb Rengsdorf mit dem Slogan „Heilklimatischer Kurort auf Rheines Höhen“. Durch Einführung neuer Begriffsbestimmungen musste eine Bezeichnung staatlich anerkannt werden. Rengsdorf beantragte das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ . Es kam zu einem langjährigen Verfahren. 1939 wurde auf Grund der über die 1935 eingerichteten Klimamessstation ermittelten Werte das Anerkennungsverfahren eingeleitet. Rengsdorf durfte während des Verfahrens die Bezeichnung „Klimakurort im Westerwald“ führen. Das Verfahren wurde infolge des 2. Weltkrieges im Jahre 1942 abgeschlossen.
Rengsdorf erhielt das Prädikat „staatlich anerkannter Luftkurort“.

1939 1945 gingen die Gästezahlen auf Grund des 2. Weltkrieges zurück. Einige Betriebe wurden geschlossen, in anderen Soldaten untergebracht. Wieder andere dienten als Müttererholungsheim oder Lazarett.

Nach Abzug der französischen Besatzungstruppen erfolgte 1946 die Instandsetzung des Freibades und der übrigen beschädigten oder infolge des Krieges nicht mehr gepflegten Einrichtungen.

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